Stellungnahme zum Test von Insekten-Hundefutter durch Stiftung Warentest

Stand 01.04.2026

Das Wichtigste auf einen Blick

Der Test der Stiftung Warentest (29.06.2023) basiert auf der Untersuchung einer einzelnen Stichprobe aus dem Jahr 2022. Der darin bewertete Selengehalt wurde bereits Anfang 2023 – und damit vor Veröffentlichung des Tests – gezielt angepasst.

 

Die Gesamtbewertung wurde im Wesentlichen durch einen einzelnen Nährstoffwert (Selen) bestimmt, obwohl das Produkt insgesamt gute Ergebnisse erzielte.

 

Analysen von sieben Produktionschargen aus den Jahren 2023–2025 zeigen konsistent stabile Selengehalte innerhalb der Empfehlungen der FEDIAF.

Einordnung des Tests

Im Juni 2023 veröffentlichte die Stiftung Warentest einen Vergleichstest zu insektenbasiertem Hundefutter. Solche Untersuchungen leisten grundsätzlich einen wichtigen Beitrag zur Verbraucherorientierung und Transparenz, insbesondere in einem noch jungen und sich entwickelnden Marktsegment wie Insektenprotein.

 

Auch unser Produkt „Alleskönner Nassfutter 375 g“ wurde im Rahmen dieses Tests untersucht. In mehreren Prüfkategorien erzielte das Produkt positive Bewertungen. Besonders hervorzuheben ist die Kategorie „Deklaration und Werbeaussagen“, in der unser Produkt als einziges im Test mit „gut“ bewertet wurde. Dies bestätigt unseren Anspruch an eine klare, nachvollziehbare und transparente Verbraucherinformation.

 

Auch in weiteren Prüfkategorien, insbesondere im Hinblick auf Schadstoffe sowie wesentliche Teile der ernährungsphysiologischen Bewertung, wurden positive Ergebnisse erzielt.

 

Die Gesamtbewertung des Produkts wurde jedoch maßgeblich durch die Einordnung eines einzelnen Nährstoffwertes bestimmt. Vor dem Hintergrund der damaligen Datengrundlage, der seitherigen Weiterentwicklung der Rezeptur sowie der fachlichen Einordnung dieses Parameters ist diese Bewertung aus heutiger Sicht differenziert zu betrachten.

Aussagekraft und Aktualität der Untersuchung

Die im Test dargestellten Ergebnisse basieren auf der Analyse einer einzelnen Stichprobe und stellen damit eine Momentaufnahme dar.

Konkret wurde beim Produkt „Alleskönner Nassfutter 375 g“ eine Stichprobe aus einer Charge untersucht, die am 08.04.2022 hergestellt wurde.

 

Solche Einzelanalysen können punktuelle Abweichungen sichtbar machen. Sie erlauben jedoch nur eingeschränkt belastbare Aussagen über:

  • die langfristige Produktqualität,
  • die Konsistenz der laufenden Produktion
  • sowie den aktuellen Stand der Rezeptur.

Die damalige Bewertung bezieht sich somit auf einen klar datierbaren historischen Produktstand und ist nicht ohne Weiteres auf das heute im Markt befindliche Produkt übertragbar.

Weiterentwicklung der Rezeptur und aktuelle Datenlage

Der im Test festgestellte Selenwert bezog sich auf eine spezifische Produktionscharge aus dem Jahr 2022. In diesem Zeitraum kam es vorübergehend zu Abweichungen von der angestrebten Zusammensetzung einzelner Rohstoffe. Solche Abweichungen werden im Rahmen unserer Qualitätssicherungsprozesse systematisch erfasst und kurzfristig korrigiert. Unsere Rezeptur wurde bereits im Januar 2023 – und damit vor Veröffentlichung des Tests im Juni 2023 – angepasst. Seitdem wird das Produkt kontinuierlich in dieser optimierten Form hergestellt und vertrieben. Begleitende Analysen zeigen stabile Nährstoffgehalte innerhalb der relevanten Referenzbereiche einschließlich Selen.

 

Analysen von sieben Chargen unseres Nassfutters (Herstellungszeitraum September 2024 bis August 2025) zeigen einen stabilen Selengehalt zwischen 8 und 11 µg pro 100 g Originalsubstanz (Mittelwert: 9,1 µg). Die geringe Streuung der Werte weist auf eine konsistente Produktionsqualität hin.

Messwerte Selengehalt je 100 g:


Charge OS (µg) TM (µg)
L52401 (Aug 25) 8 36,3
L52401 (Aug 25) 10 46,4
L51561 (Jun 25) 11 48,0
L51292 (Mai 25) 10 43,8
L42751 (Okt 24) 8 36,6
L42681 (Sep 24) 9 39,7
L42542 (Sep 24) 8 35,3

Die im Test dargestellten Abweichungen sind daher aus heutiger Sicht nicht repräsentativ für das seit 2023 im Markt befindliche Produkt. Das aktuell im Handel befindliche Produkt entspricht den FEDIAF-Empfehlungen hinsichtlich des Selengehalts (FEDIAF, 2025).

Wissenschaftliche Einordnung des Selengehalts

Die Bewertung des Selengehalts im Test erfolgte auf Grundlage von Referenzwerten der FEDIAF. Dabei ist eine zentrale Einschränkung zu berücksichtigen:
 Für ausgewachsene Hunde (Adult dogs) liegen laut FEDIAF keine belastbaren Daten zu den exakten Selenbedarfen vor. Die Empfehlungen basieren daher nicht auf spezifischen Bedarfsstudien für Hunde, sondern orientieren sich an Daten aus anderen Spezies, insbesondere der Katze (NRC, 2006).

 

Demgegenüber existieren konkrete Mindestbedarfswerte lediglich für wachsende Hunde (Growth). Hier wird ein Mindestgehalt von 0,21 mg Selen pro kg Trockenmasse angegeben (Wedekind & Combs, 2000), wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass aufgrund variabler Bioverfügbarkeit von Selen in Futtermitteln zusätzliche Sicherheitsmargen berücksichtigt werden müssen.

 

Für adulte Hunde bedeutet dies:

  • Es existieren keine abgesicherten Bedarfswerte.
  • Die herangezogenen Referenzwerte sind abgeleitet und mit Unsicherheiten behaftet.
  • Sie sind als Orientierungswerte zu verstehen, nicht als verbindliche Mindestanforderungen.

 

Unabhängig davon ist gesetzlich für Selen ausschließlich der Höchstgehalt geregelt, welcher im vorliegenden Produkt eingehalten wurde (FEDIAF, 2025).

 

Zudem zeigt die wissenschaftliche Literatur, dass klinisch relevante Selenmängel bei gesunden, ausgewachsenen Hunden unter üblichen Fütterungsbedingungen bislang nicht beobachtet wurden. Berichte über Selenmangel beziehen sich in der Literatur auf heranwachsende Hunde, bei denen der Bedarf aufgrund von Wachstum und Entwicklung grundsätzlich höher ist (Wedekind & Combs, 2000).

 

Vor diesem Hintergrund ist die praktische Relevanz der im Test bewerteten Abweichung – insbesondere bei einem Alleinfuttermittel für adulte Hunde – differenziert zu betrachten.

Einordnung im ernährungsphysiologischen Gesamtkontext

Für die Bewertung eines Futtermittels ist entscheidend, dass Nährstoffe im Organismus nicht isoliert wirken, sondern in einem funktionellen Zusammenspiel stehen.

 

Der Bedarf an Spurenelementen wie Selen wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst:

  • Wechselwirkungen mit anderen Nährstoffen
  • Zusammensetzung des Futters
  • Bioverfügbarkeit der enthaltenen Nährstoffe

Ein besonders relevantes Beispiel ist das Zusammenspiel von Selen und Vitamin E im antioxidativen Schutzsystem des Organismus. Beide Nährstoffe sind funktionell miteinander verknüpft. Ein höherer Vitamin-E-Gehalt kann den physiologischen Bedarf an Selen beeinflussen (Zentrichová et al., 2021).

 

Im getesteten Produkt lag der Vitamin-E-Gehalt etwa beim Fünffachen der empfohlenen Mindestwerte. Dieser Umstand ist bei der ernährungsphysiologischen Einordnung zu berücksichtigen, da eine isolierte Bewertung des Selengehalts ohne Einbeziehung solcher Wechselwirkungen die tatsächliche Nährstoffkomplexität eines Futtermittels nur eingeschränkt abbildet.

Preisbewertung und Vergleichbarkeit

Im Test wurde hervorgehoben, dass das Insekten-Nassfutter vergleichsweise teuer sei. Diese Einordnung ist jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig, da im Test Nass- und Trockenfutter gemeinsam bewertet wurden. Üblicherweise werden diese Produktkategorien getrennt betrachtet.

 

Es ist allgemein bekannt, dass Nassfutter pro Ration teurer ist als Trockenfutter. Ofrieda bietet neben Nassfutter auch Trockenfutter an, das im Test jedoch nicht berücksichtigt wurde.

Transparenz und Nachvollziehbarkeit

Für die fachliche Einordnung analytischer Ergebnisse sind zusätzliche Informationen relevant. Insbesondere:

  • die angewandten Messmethoden,
  • mögliche Messunsicherheiten
  • sowie die Einordnung von Grenzbereichen.

Diese Detailinformationen sind im veröffentlichten Testbericht nicht enthalten. Dadurch ist die fachliche Interpretation einzelner Ergebnisse nur eingeschränkt möglich. Entsprechende Informationen wurden uns auch auf Nachfrage nicht zur Verfügung gestellt.

Fazit

Der Test der Stiftung Warentest liefert wertvolle Impulse für die Bewertung von insektenbasiertem Hundefutter und bestätigt dessen grundsätzliche Eignung.

 

Gleichzeitig zeigt sich, dass die damalige Gesamtbewertung unseres Produkts im Wesentlichen auf der Einordnung eines einzelnen Nährstoffwertes beruhte,

  • der sich auf eine spezifische, nicht mehr aktuelle Produktionscharge vom 08.04.2022 bezog.
  • dessen Bewertung auf Orientierungswerten mit begrenzter wissenschaftlicher Datenbasis basiert.
  • dessen praktische Relevanz im ernährungsphysiologischen Gesamtkontext einzuordnen ist
  • und der nicht repräsentativ für die seit Januar 2023 angepasste Rezeptur ist.

Die seit 2023 vorliegenden kontinuierlichen Analysen zeigen, dass die angepasste Rezeptur die relevanten Referenzbereiche zuverlässig erfüllt. Der Selengehalt des Nassfutters „Alleskönner“ liegt seitdem im Durchschnitt bei etwa 9,1 µg pro 100 g Originalsubstanz.

 

Vor diesem Hintergrund ist die Aussagekraft der damaligen Bewertung für die heutige Produktqualität entsprechend differenziert zu betrachten.

Wir arbeiten weiterhin auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse an der kontinuierlichen Weiterentwicklung unserer Produkte und stellen Transparenz sowie Qualität in den Mittelpunkt unseres Handelns.

Literaturverzeichnis

1 FEDIAF (2025): Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. European Pet Food Industry Federation, Brüssel.

 

2 National Research Council (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats. The National Academies Press, Washington, DC.

 

3 Wedekind KJ, Bever RS, Combs GF (1998): Is selenium addition necessary in pet foods? FASEB Journal, 12 (Abstract A823).

 

4 Wedekind KJ, Combs GE (2000): Selenium in Pet Foods: Is Bioavailability an Issue? Compendium on Continuing Education for the Practicing Veterinarian, 22(9), 17–22.

 

5 Wedekind KJ, Yu S, Combs GF (2004): Selenium and Dogs. Journal of Animal Science.

 

6 Zentrichová V, Pechová A, Kovaříková S (2021): Selenium and Dogs: A Systematic Review. Animals, 11(2), 418.